Kellermann, Wagner und Liszt

Berthold Kellermann , war einst Professor für Klavier– und Musikgeschichte an der Akademie der Tonkunst in München. Am 5. März 1853 in Nürnberg geboren , geriet er schon dort als Zögling der Ramanschen Klavierschule in den Bannkreis Liszts , dessen persönlicher Schüler er als 20- jähriger wurde und noch blieb, als er schon ein Lehramt an der  Kullakschen Akademie in Berlin ausübte. Später war er am Sternschen Konservatorium tätig:

1878 zog Wagner ihn als Hauslehrer seiner Kinder und als Gehilfen bei der Fertigstellung der Parsifal – Partitur nach Wahnfried. Kellermann liebte es, charakterische Anekdoten aus dieser Zeit zu erzählen.

1882 endlich , kam er als Lehrer an die Münchener Kgl. Müsikschule, der er bis 1919, da er nach Bußmeyers Abgang noch ihr stellvertretender Direktor wurde, treu geblieben ist.

Er war ein eminenter Lehrer mit der richtigen Mischung von Strenge und Güte, von Pedanterie und echtem künstlerischem Gefühl; er muß in seiner früheren Zeit auch ein beachtlicher Pianist gewesen sein.  Was sein Andenken sichert, ist seine als Lehrer, Spieler, Dirigent geleistete Pionierarbeit für Liszt, seinem Abgott.

Er gehörte zu den Fortschrittsleuten in München, die da heute, ach, ausgestorben scheinen, und er steht in dieser Eigenschaft, als ein Musiker von echtem, unbeirrbarem Idealismus, neben Heinrich Porges; was Porges für die Lisztschen Chorwerke leistete, das tat Kellermann für die Lisztsche Sinfonik, und man erinnert sich an seine frühen Jugendtage als eine zyklische Aufführung sämtlicher sinfonischer Dichtungen unter Kellermanns Leitung, von München mit Verwunderung und Kopfschütteln stattfand.

Als Kellermann Liszt „durchgesetzt„ glaubte, trat er aus der Öffentlichkeit zurück, doch war er mit allen das Andenken Liszts betreffenden Ereignissen bis zuletzt verbunden.

Aber als ein wandelnder Zeuge jener Zeit, da München als Stadt der musikalischen Zukunft galt, war er noch lange sichtbar, und man kann sich den Odeons – oder Wittelsbacherplatz kaum ohne den alten Herrn denken, auf dessen langen grauen Strähnen ein unentwegter Zylinderhut zu der Achtung aufforderte, die ein Blick in das ernste Gesicht, in die blauen prüfenden Augen stets erzwang; man fühlte, das ist mehr als das „Original", das für Wolzogens „Kraft-Mayr“ das Urbild hergegeben haben soll, er war ein reiner Mensch und echter Künstler.
1926 Berthold Kellermann, der in München wohnte, jedoch ab 1889 seinen Sommerwohnsitz in Urfeld am Walchensee hatte, starb am 18.06.1926 in München.

Im Eugen Rentsch Verlag ist 1932 das Buch: " Berthold Kellermann - Erinnerungen" erschienen.